Unter Lahntaler Dächern...

Von den Flüchtlingen, die in der Gemeinde Lahntal leben, wohnen viele noch in vorläufigen Unterkünften, die von der Gemeindeverwaltung organisiert werden.

 

Wer aber als Flüchtling anerkannt ist, muss die vorläufige Unterkunft räumen und sich auf dem „freien Markt“ eine Wohnung suchen.

 

Bei vielen Vermietern sind die Vorbehalte groß. Sie hören, dass der Mietbewerber Flüchtling ist oder stellen fest, dass er oder sie die deutsche Sprache noch mangelhaft beherrscht, und das Gespräch ist zuende.

 

Dabei kann es für den Vermieter viele Vorteile haben, an Geflüchtete zu vermieten.

 

Die Kirche in Lahntal bietet Ihnen als Vermieter eine umfassende Begleitung.

Unser Flüchtlingsbetreuer Mehmet Zeki Kirok macht Sie mit den Mietberwerber(inne)n bekannt, sorgt für Übersetzung und schult gemeinsam mit den pädagogischen Angeboten die Menschen darin, wie man eine Immobilie behandeln und bewirtschaften muss (Müllsystem, Heizung, Feuermelder…).

 

Hier haben wir einige berechtigte Sorgen zusammengestellt und erzählen Ihnen, wie wir darauf reagieren.

 

Wer ist das, der da bei mir einziehen will?

Menschen die schon eine Weile in Lahntal leben und sich hier wohlfühlen. Sie sind in Syrien, Afghanistan, oder Somalia aufgewachsen. Die wenigsten haben ein christliches Bekenntnis. Dennoch sind die meisten Pfarrerin Niemann oder Pfarrer Ruckert persönlich bekannt. Nun haben sie die Bestätigung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge bekommen, dass ihrer Flucht eine

reale anerkannte Notlage zugrunde lag. Parallel zur Wohnungssuche nehmen sie weiter an Deutschkursen teil. Die Erwachsenen haben auch eine Arbeitsgenehmigung und arbeiten entweder bereits oder sind auf der Suche. Der Flüchtlingsbetreuer stellt potentielle Mieter und Vermieter einander vor und kann auch danach als Übersetzer hinzugezogen werden oder hilft bei der Suche nach einem anderen Übersetzer.


Kommt die Miete?

Ja, und zwar sicher. Bei allen, die noch nicht durch Beschäftigungsverhältnisse allein für den Lebensunterhalt aufkommen – und das sind die meisten – steht das Kreisjobcenter für die Zahlung der Miete gerade. Der Mietvertrag muss dort zur Bewilligung vorgelegt werden. Alles geht mit rechten Dingen zu.


Aber die Verständigung…

… ist natürlich von Familie zu Familie unterschiedlich.

Manche können schon einigermaßen Deutsch, manche lassen sich von ihren Kindern helfen. Die meisten machen täglich Fortschritte. Sobald man sprachlich an seine Grenzen stößt, kann unser Flüchtlingsbetreuer hinzugezogen werden.


Was, wenn Probleme auftauchen?

Sie haben Kritik an Ihren Mietern...

... weil die die Mülltonne nicht rausbringen,

... Sachen im Garten herum liegen

.... oder bei offenem Fenster geheizt wird?

Das ist überhaupt nicht schlimm, wenn Sie´s nur sagen. Gern

zeigen wir den Mietern in Ihrem Auftrag, wie die Dinge anzupacken sind.


Der Kulturunterschied!

... ist ein ganz wichtiger Punkt. Er ist natürlich vorhanden. Manchmal wundert man sich. Dinge müssen beigebracht werden, die für uns selbstverständlich sind. Manchmal sind aber auch für die neuen Nachbarn Dinge selbstverständlich, die bei uns aus der Mode zu kommen drohen, wie Respekt vor Älteren, Gastfreundschaft oder Nachbarschaftshilfe. Wann immer etwas stört, hilft das Gespräch, gern auch mit uns.


Und was habe ich nun davon?

Außer den Einnahmen und einer echten Vermittlungsinstanz zwischen den Parteien?

Das hängt von den einzelnen Persönlichkeiten ab.

Wir haben Mietverhältnisse, wo die neuen Nachbarn bei anderen

Mietern oder Vermietern tatkräftig mitanpacken, wenn es um Winterdienst, Schleppen von Einkäufen, Gartenpflege … geht.

Im ungünstigsten Fall haben Sie ein Mietverhältnis, wo man manchmal übereinander die Augen rollt und hin und

wieder Kritik üben muss – wie das bei deutsch-deutschen Mietverhältnissen auch nicht unüblich ist (aber damit wären sie nicht allein gelassen).

Im günstigsten Fall bekommen Sie motivierte Mieter, die Sie dankbar und tatkräftig unterstützen und durch ihre freundliche Art oder neue Küche Ihren Alltag bereichern.


Außer Pfarrer(in) und Flüchtlingsbetreuer können Sie auch die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen im Begegnungscafé Goßfelden, im Sprachunterricht Caldern oder im Kurs für geflüchtete Frauen im Pfarrhaus Sterzhausen ansprechen. Die meisten Geflüchteten sind hier bekannt. 

 

 

 

Zugegeben: Durch das Beratungsangebot erhalten Geflüchtete eine Förderung, die deutschen Mietbewerbern nicht zur Verfügung steht. Sie müssen durch eigene Überzeugungsarbeit den Eindruck vermitteln, dass sie keine potentiellen „Mietnomaden“ sind, sondern zuverlässige Partner. Anders als die Geflüchteten können Sie aber auf eine gemeinsame Sprache, kulturellen Hintergrund und oft auch auf ein Netzwerk von Beziehungen zurückgreifen. Im Übrigen steht es jedem, der dringend eine Wohnung sucht, frei, sich an die kirchlichen und diakonischen Beratungsstellen zu wenden oder auch seine Ortspfarrerin / seinen Ortspfarrer zu bitten, ein gutes Wort einzulegen.